| Antragsteller*in: | Lena Renner |
|---|
A1: Kein Profit mit Wildtieren: Wir lehnen das Ocean Berlin an der Rummelsburger Bucht ab.
Antragstext
Kein Profit mit Wildtieren: Wir lehnen das Ocean Berlin an der Rummelsburger
Bucht ab.
Antragsteller*innen:
Niclas Christ, Alisa Draken, Neele Kuhn, Lena Renner, Lisa Weltmeyer, Daniela
Wolter
Positionierung und Forderungen
Die GJ Berlin lehnt den Bau und Betrieb von Ocean Berlin an der
Rummelsburger Bucht ab.
Die GJ Berlin lehnt die Haltung von Wildtieren in Zoos und Aquarien
grundsätzlich ab und fordert eine Abschaffung.
Wir fordern einen Zuchtstopp, Verbot von Neufang von Wildtieren, Übergang
zu Auffangstationen und Schutzprojekten, die Tiere in ihrem Lebensraum
oder in artgerechten Schutzräumen unterstützen.
Wir fordern ein Tierschutzkonzept und Herkunftsnachweise der Tiere.
Todesfälle bei Tieren werden gemeldet und veröffentlicht.
Wir stellen uns gegen eine öffentliche Förderung. Es dürfen weder direkte
Förderung noch Vergünstigungen aus öffentlichen Mitteln fließen.
Wie bereits im LMV-Beschluss „Wem gehört die Stadt – Solidarität mit den
Protesten am Ostkreuz“ (2018) gefordert, sollen öffentliche Flächen wie
die Rummelsburger Bucht gemeinwohlorientiert genutzt werden: für Wohnen,
soziale Infrastruktur und Freiraum, nicht für hochpreisige
Tourismusprojekte.
An der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg entsteht mit Ocean Berlin ein
Großaquarium der Coral-World-Gruppe.¹ Das Hauptbecken fasst rund 7,5 Millionen
Liter (Salz-)Wasser, die Befüllung beginnt im Herbst 2026.¹ Die Eröffnung war
ursprünglich für 2026 geplant und wird nun im Frühjahr 2027 erwartet.¹ Geplant
sind rund 400 Tierarten, darunter die als stark gefährdet eingestuften Zebra-²
und Sandbankhaie³ sowie Adlerrochen und zahlreiche Korallen.¹ Das Unternehmen
rechnet mit etwa 700.000 Besucher*innen pro Jahr.⁴ Zum Gesamtprojekt gehört
außerdem ein Hotel mit 169 Zimmern.¹
Eine Bürger*innenabstimmung gab es nicht. Die Bezirksverordnetenversammlung
Lichtenberg beschloss den Bebauungsplan 2019 trotz massiver Proteste und 20.000
überreichter Unterschriften.⁵ In Basel hat die Bevölkerung 2019 in einem
Referendum über ein geplantes Großaquarium abgestimmt und es mit rund 55 %
abgelehnt.⁶
Tierschutz mit Füßen getreten
Großaquarien sind auf einen laufenden Nachschub an Tieren angewiesen. Viele
Meerwasserfische und Wirbellose werden in freier Wildbahn gefangen und über
lange Strecken transportiert. Bei marinen Zierfischen sind fast alle Tiere
Wildfänge.⁷ Die Folgen sind hohe Sterblichkeit und Schäden an Riffen und
Ökosystemen in den Herkunftsländern. Nach Schätzungen von FAO und UNEP sterben
bis zu 80 % der marinen Zierfische zwischen Fang, Transport und Aquarium.⁷
Das zeigt auch das Beispiel des Maui Ocean Center, das ebenfalls zur Coral-
World-Gruppe gehört.¹ Laut Auswertung der Organisation For the Fishes wurden
dort im Genehmigungsjahr 2021/22 802 Fische aus dem Meer entnommen, 548 davon
(68 %) starben bis zum Ende des Jahres. Entnahmedaten musste das Center seit
seiner Eröffnung nie öffentlich zugänglich machen.⁸ Genau deshalb fordern wir
Transparenz bei Herkunft und Todesfällen.
Für Arten wie Haie und Rochen, die in Freiheit große Räume nutzen, ist eine
artgerechte Haltung in einem Becken nicht möglich. Auch kleinere Fische nutzen
große Lebensräume, für sie ist das Revier und sonstige Umstände kaum
nachzubilden.
Bildung braucht keine Gefangenschaft
Ocean Berlin wird als Bildungs- und Forschungsort beworben, der Investor
präsentiert das Projekt als Lern- und Bildungsstätte.⁹ Dabei ist Coral World ein
gewinnorientiertes Unternehmen mit angeschlossenem Hotel und einer Aufmachung,
die an Freizeitattraktionen erinnert. Auch Bildungsprogramme und eine
Korallenaufzucht¹ ändern nichts daran, dass dafür Tiere in Gefangenschaft
gehalten werden. Wer Menschen für den Schutz der Meere gewinnen will, braucht
dafür keine lebenden Wildtiere in Gefangenschaft. Der beste Beweis dafür ist,
dass Millionen Kinder Dinoexpert*innen sind, ohne einen Dino jemals gesehen zu
haben.
Forschung, Naturschutzprojekte vor Ort, Museen und digitale Formate leisten
Bildung ohne Tierleid. Zumal Unterhaltungsbedürfnisse nicht über dem Leid von
Lebewesen stehen dürfen.
Wildtiere zur Schau in Gefangenschaft zu halten ist ethisch nicht zu
rechtfertigen. Artenschutz gelingt vor allem durch den Schutz von Lebensräumen.
Wir fordern deshalb einen Ausstieg aus Zoos und Aquarien.
Solidarität mit den Protesten am Ostkreuz
Bis zur Räumung im Februar 2021 befand sich dort eines der größten
Obdachlosencamps Berlins.¹⁰ Initiativen forderten eine Nutzung der Fläche für
das Gemeinwohl.⁵ Das Grundstück gehörte dem Land Berlin⁵ und wurde 2016 für 4,15
Millionen Euro an Coral World verkauft. Rund um die Bucht entstehen vor allem
hochpreisige Eigentumswohnungen.⁹ Eine Stadt, die Wohnraum und soziale
Infrastruktur braucht, sollte öffentliche Flächen nicht an Projekte vergeben,
von denen vor allem Investor*innen und Tourist*innen profitieren.
Wir haben uns dazu bereits mit dem Beschluss „Wem gehört die Stadt – Solidarität
mit den Protesten am Ostkreuz“ (LMV vom 3. November 2018) positioniert, gegen
die Bebauung am Ostkreuz mit Hotel, Aquarium und Luxuswohnungen.
Stadtentwicklung muss an den Bedarfen der Menschen statt am Geldbeutel von
Investor*innen ausgerichtet sein.
Und jetzt?
Noch ist Ocean Berlin nicht eröffnet. Das Gebäude könnte eine Auffangstation
werden. Dort könnten Tiere unterkommen, die im Wildtierhandel beschlagnahmt,
Tiere, die aus privater Haltung abgegeben wurden, und Tiere aus Einrichtungen,
die im Zuge des Ausstiegs schließen. Kein Wildfang, keine Neuanschaffungen,
keine Zucht und keine Ausstellung zur Unterhaltung.
Alle Quellen abgerufen am 22.10.2026.
https://www.entwicklungsstadt.de/ocean-berlin-eroeffnung-haie-tickets-und-
kritik-im-grossen-faq/, Entwicklungsstadt Berlin: „10 Mio. Liter,
Eröffnungstermin, Tierarten: Was Besucher über das Ocean Berlin wissen
müssen“
https://www.iucnredlist.org/species/41878/161303882, IUCN Red List:
Stegostoma tigrinum (Zebrahai)
https://www.iucnredlist.org/species/3853/2874370, IUCN Red List:
Carcharhinus plumbeus (Sandbankhai)
https://www.berliner-kurier.de/article/proteste-gegen-mega-aquarium-wann-
macht-ocean-berlin-auf-10005762, Berliner Kurier: „Proteste gegen Mega-
Aquarium: Wann macht ‚Ocean Berlin‘ auf?“
https://taz.de/Coral-World-soll-nach-Rummelsburg/!5588826/, taz: „‚Coral
World‘ soll nach Rummelsburg: Ein ‚fatales‘ Signal“
https://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmung-basel-stadt-nein-zum-ozeanium-
hauchduennes-nein-zur-krankenkassen-initiative, SRF: „Nein zum Ozeanium,
hauchdünnes Nein zur Krankenkassen-Initiative“
https://www.srf.ch/wissen/natur-tiere/tierschutz-fuer-fische-endet-die-
reise-ins-aquarium-meist-toedlich, SRF: „Für Fische endet die Reise ins
Aquarium meist tödlich“
https://mauinow.com/2024/12/15/maui-ocean-center-touts-marine-
conservation-but-nonprofit-says-it-repeatedly-violates-fish-taking-
permits-with-high-mortality-rates, Maui Now / Hawai‘i Journalism
Initiative: „Maui Ocean Center touts marine conservation, but nonprofit
says it repeatedly violates fish-taking permits with high mortality rates“
https://taz.de/Coral-World-an-der-Rummelsburger-Bucht/!5850725/, taz:
„Coral World an der Rummelsburger Bucht: Kein Futter für die Fische“
https://taz.de/Obdachlosencamp-geraeumt/!5746454/, taz: „Obdachlosencamp
geräumt: Nächtliche Hauruckaktion“
